»Their trouble, she decided, is with sex; they did something foul with it back in the thirties, and it has gotten worse. Hitler started it with his — what was she? His sister? Aunt? Niece? And his family was inbred already; his mother and father were cousins.« (Philip K. Dick, The Man in the High Castle, 1962)
»Alles sah fetzig aus, keineswegs würdevoll, es war von gespenstiger Lustigkeit. Die Fahnen schaukelten wie Gehenkte auf ihren Stangen und Stöcken.« (Otto Basil, Wenn das der Führer wüßte, 1966)
»Ich sage ja immer, das ist ein Gipfeltreffen der Normalität und des Hausverstands und ein Gipfeltreffen des Patriotismus und
der Liebe zur Familie Österreich.« (Herbert Kickl, Rede am 1. Mai in Linz, 2026)
Der Hausverstand flüstert gemeinhin, dass für Linke das nationale Kollektiv kein familiäres Lovefest, sondern einen Widersacher darstellt – diverse Strömungen strafen diese Grundannahme aber Lügen und auch sonst sind gesellschaftliche Mindeststandards keine Selbstverständlichkeit, wie Svenna Triebler feststellt. Die Staatlichkeit Israels hingegen wurde und wird gerne pseudo-progressiv zugunsten einer jüdischen Exil-Erfahrung abgewertet – Marcel Matthies zeichnet die Debatte kritisch nach. Zum Glück gibt es immer wieder Versuche, auch in größerem Rahmen alternative Vorstellungen zu formulieren – Irina Karamanos illustriert dies an feministischen Bewegungen in Chile. Dafür, dass die Dokumente linker Theorie- und Bewegungsgeschichte erhalten und zugänglich bleiben, setzt sich der Infoladen Leipzig mit seinem Dataspace ein – wir haben ihn dazu befragt.
Magnus Klaue beleuchtet die Auseinandersetzung mit Hexenverfolgungen in der feministischen Geschichtsschreibung, Peter Nowak stellt zwei wiederveröffentlichte Bücher Georg K. Glasers vor und Chris Weinhold den Roman »Ein vom Schatten begrenzter Raum« von Emine Sevgi Özdamar, die heuer ihren 80sten Geburtstag feiert. Seinen 100sten Geburtstag vergangenen Jänner hat Morton Feldman nicht erlebt – Sebastian Franke nimmt diesen dennoch zum Anlass für ein Porträt des Komponisten. In diesem Jahr verstorben ist Nikolay Komyagin, Sänger der russischen Band Shortparis, über deren (auch politische) Bedeutung Ewgeniy Kasakow schreibt. Während das Weiterbestehen der Band ungewiss ist, geht der Tangible Music Club in seine dritte Runde – Ulla Rauter erläutert, worum es in dieser monatlichen Konzertreihe für experimentelle Musik und postdigitale Musikinstrumente geht, die gemeinsam von der Stadtwerkstatt und dem Tangible Music Lab veranstaltet wird.
Nicht 50 oder 100, sondern gleich 150 Jahre Stadtwerkstatt kündigt Tanja Brandmayr an und Daniel G. Andújar wirft einen Blick auf das Ende der Venedig-Biennale in ihrer bisherigen Form, indem er feststellt, dass die politischen Skandale zugleich eine bessere Sicht auf den soft underbelly einer Privatisierung von Kunst freigeben. Auch der Film »Herzblutwiese Stadtwerkstatt« ist wieder Thema. Der Film hatte Ende April beim Filmfestival Crossing Europe Premiere und im Wettbewerb eine Special Mention erhalten. Gleich anschließend war »die Herzblutwiese« mit einem Tech-Fokus beim Netzkulturfestival AMRO vertreten: Aus diesem Anlass schildert Aileen Derieg ihre Erfahrungen als Teil der tech-affinen feministischen Geschichte in Linz (und darüber hinaus). Und Otto Tremetzberger würdigt mit der langjährigen, seit 1. April pensionierten DORFTV-Geschäftsführerin Gabi Kepplinger eine weitere Protagonistin des Films, die wiederum ebenso Teil dieser Medien(kunst)-Geschichte in Linz ist.
Außerdem gibt es einen Beitrag von Davide Bevilacqua & Martina Pizzigoni zum Festival AMRO 2026 selbst, das unter dem Titel »Becoming Unreadable« diesen Mai stattgefunden hat. Damit in Verbindung steht: die total readable Versorgerin und diese immerhin 150. Ausgabe, deren Cover einen großartigen AMRO-Nightline-Act zeigt – nämlich die Pastagang und »You must delete«.
Abschließend, der neue Gibling: Im Interview sprechen die beiden Artists Stephanie Mercedes und Heike Kaltenbrunner über die »Gun Destruction Opera«, die auf den Scheinen der 15. Edition der STWST-Communitywährung thematisiert wird. Dies alles verweist wiederum auch auf die Showcase-Extravaganza der Stadtwerk-statt im September, nämlich auf STWST84x12 HAUNTED, das jetzt schon als Save-the-Date in der Ausgabe markiert ist.
Eine anregende Lektüre dieser Nummer der Versorgerin (die nun seit mittlerweile 150 Ausgaben podcastfrei ist) wünscht
die Redaktion