»Was in einem bestimmten, gegebnen Zeitmoment der Zukunft zu tun ist, unmittelbar zu tun ist, hängt natürlich ganz und gar von den gegebnen historischen Umständen ab, worin zu handeln ist. Jene Frage aber stellt sich in Nebelland, stellt also in der Tat ein Phantomproblem, worauf die einzige Antwort – die Kritik der Frage selbst sein muss.« (Karl Marx, Brief an Ferdinand Domela Nieuwenhuis, 22.2.1881)
»Nicht die Technik ist das Verhängnis, sondern ihre Verfilzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen, von denen sie umklammert wird. […] Nicht umsonst ist die Erfindung von Zerstörungsmitteln zum Prototyp der neuen Qualität von Technik geworden.« (Theodor W. Adorno, Einleitungsvortrag zum 16. Deutschen Soziologentag, 1968)
»Letztlich ist es weiterführender, schlechte Technik, also ‚Low Technology‘, zu der man eine intensive, in Jahren aufgebaute Beziehung hat, überlegt und gezielt einzusetzen, als die Produktion von fortgeschrittener Technologie dominieren zu lassen.« (Oil Blow, zit. in einem Dossier zu Radio Subcom, 1988)
Unter Sys-Admins kursieren diverse Bezeichnungen und Akronyme für userbedingte Anwendungsfehler (Luser, EIFOK, Error in Layer 8, etc.) – und bei aller berechtigten Kritik an den Geschäftsmodellen überwachungskapitalistischer Tech-Plattformen wäre doch ein wenig Mündigkeit von denen einzufordern, die sich willig genug vernutzen lassen, um dieses System zu ermöglichen. Es kann also nicht der Weisheit letzter Schluss sein, nach der Nanny zu schreien und sich auf die zarten Regulierungsansätze einer EU zu verlassen, die – ganz liberales Posterchild – politische Fragen meist als solche des Wettbewerbs behandelt. Also: Wenn unsere kleinen Nebelhirne schon komplett verdunsten, dann bitteschön nicht, nachdem sie jeden Scheiß mitgemacht haben.
Apropos Nebel: Die Stadtwerkstatt lädt zu STWST84x11 FOG MANIFESTO. Nach 10 Ausgaben von STWST48 wurde das Medienkunst-Format in seiner 11. Ausgabe in STWST84 umbenannt – die Inhalte, die Anfang September den internationalen Medienkunstzirkus in die STWST locken, bleiben aber spektakulär kritisch. Mehr dazu im zweiten Buch der Versorgerin.
Apropos durchgeknallter Liberalismus: Mit dem beschäftigt sich Jonas Bayer in seinem Essay zum inneren Autoritarismus der Meinungsfreiheit, Tina Sanders problematisiert die Rolle weiblicher Vorbilder, Barbara Eder füllte eine Flaschenpost zu Frantz Fanons 100. Geburtstag mit Orangenlimonade, Sara Rukaj berichtet vom popkulturellen Comeback des Sadomasochismus, Chris Weinhold von dionysischen Tiefenbohrungen in Delphi und Magnus Klaue geht der Selbstmusealisierung der Menschheit nach. Ronni Günl bespricht Lars Henrik Gass‘ Buch »Objektverlust«, Jakob Goubran den Debütroman von Jens Winter (»Im langen Sommer geboren«) und Salya Föhr den Film »Holding Liat«.
Zurück zum Nebel: Christian Klosz porträtiert dessen Verwendung im Film, Ralf Petersen verwirbelt seine Endlosschleifen zu Strukturprinzipien, in denen sich dann auch Felix Stalder wiederfindet, um die Arbeit »Post Tomorrow Land‘s Morning Post« zu analysieren, deren Urheber Michael Aschauer dann auch Teil einer Simulation wird, bis Franz Xaver die vitiöse Symmetrie bricht (Hölle ist Wiederholung!) und die Beschäftigung mit mathematischen Irrationalitäten als Gemeinsamkeit der Arbeiten von Infolab und Parallel Media BD || HK identifiziert.
Das Cover bezieht sich auf eine Arbeit von Michael Aschauer, der mehrfach zu Klimamodellen gearbeitet hat. Es handelt sich um Screenshots aus dem Projekt Warming Globe. Genaueres ist bei seinen Texten nachzulesen.
A propos Widerholung, nochmal zum Mitsingen: STWST84x11 FOG MANIFESTO. Flooding the Zone with Fog. Die jährliche Showcase-Extravaganza von 1.-7. Sept 2025. New Art Contexts und kritische Produktion im FOG CUBE des Hauses. FOG MANIFESTO, CLOUDED EXHIBITION, NEBELKEGELN, NIGHTLINE, FOGGING AROUND.
Komm vorbei!
trällert
die Redaktion